10.11.2014

damals - und danach


gestern war ja deutschlands großer tag - zum 25. mal wurde die grenzöffnung vom 09. november 1989 gefeiert. berlin stand kopf, wie man in den medien sehen konnte und es muss eine fantastische stimmung gewesen sein. 
aber in meinem alltag war eigentlich einfach nur sonntag. ohne besondere feierlichkeiten. ohne party und viel "weißt du noch - damals...". inka hatte zur blogparade aufgerufen und ich wollte eigentlich gerne einen... meinen bericht dazu schreiben, aber irgendwie musste ich feststellen, dass ich gar nicht so viel zum 09.11.89 sagen kann. und auch gar nicht so viel zu danach. 25 jahre grenzöffnung klingt für mich wie aus einem geschichtsbuch und nicht, als ob ich ein teil dieser geschichte wäre. ich war damals 17. wenig politisch interessiert. es gibt andere dinge, die eine 17jährige beschäftigen. ein teil meiner familie mütterlicherseits lebte in der DDR. aber das war, gefühlt, nie ein großes thema bei uns zu hause. ich war auch nie da zu besuch. mein großonkel kam dafür ab und zu in den westen und deshalb kannte ich eigentlich nur ihn von "drüben". er brachte immer schokolade mit, die ich super lecker fand, während andere ost-schoki überhaupt nicht mochten. und einmal bekam ich einen weihnachtsbogen aus dem erzgebirge geschenkt - ein schnitzerei, mit kerzenhaltern, die man in's fenster stellt. den finde ich immer noch wunderschön und jedes jahr zu weihnachten wird er wieder ausgepackt. geschichten über die grenze und die kontrollen kannte ich nur auch erzählungen. wie das leben drüben sein musste, konnte ich mir nicht vorstellen. mein großonkel trug immer beige kleidung, deshalb hatte sich bei mir die seltsame vorstellung festgesetzt, drüben sei alles beige. (wobei das beige eher seinem alter geschuldet war, weniger der tatsache, dass er DDR-bürger war.)

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meine großeltern haben vor dem mauerbau in belin gelebt und sind kurz vor dem mauerbau mit ihren 5 kindern geflüchtet. die geschichten dazu fand ich als kind schon spannend - heute allerdings würde ich gerne noch mehr von meinen großeltern wissen, aber leider kann ich keinen mehr von ihnen fragen. ich hatte auch oft den eindruck, dass sie über die zeit damals nicht viel sprechen mochten. also, das thema ost-west gab in meinem 17jährigen dunstkreis zwar, aber eigentlich war es eben einfach so da und gehörte zum leben. nichts, was mich so richtig persönlich mitnahm oder mir schlaflose nächte gemacht hätte.

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am 09.11.89 saß ich abends vor der glotze und bekam die maueröffnung eigentlich nur zufällig mit. meine eltern waren an dem tag zufälliger weise in berlin und als die ersten bilder von den vielen begeisterten menschen kamen, hab ich die gesichter abgesucht, ob meine eltern eventuell im fernsehen zu sehen seien. und dann hab ich geheult. weil mich die begeisterung und die vor freude heulenden menschen in den interviews einfach mitgenommen haben. aber ich glaube, die tragweite und bedeutung der ganzen sache, war mir überhaupt nicht bewusst. das leben ging eben seinen gang.
überrascht hat mich in den jahren danach die grenze im kopf der menschen. und nicht nur im kopf der wessis. mein erster freund zu studienzeiten kam aus schwerin. ja und? eine stadt in deutschland. fertig. für ihn und für mich total normal. eine studienkollegin von uns kam aus magdeburg. auch eine stadt in deutschland. aber bei ihr merkte man sehr stark, dass sie sich permanent verteidigte und die guten ossi-seiten und schlechten wessi-seiten gerne hervor hob. das ist mir sehr oft aufgefallen und verstanden habe ich es nie. das hatte nicht die leichtigkeit, mit der sich süddeutsche über norddeutsche lustig machen - und umgekehrt. beim vergelich ost und west versteht man einfach keinen spass.
unterm strich bin ich natürlich sehr froh, dass die mauer gefallen ist. und auch, dass sich die mauer in den köpfen immer mehr auflöst. für nachfolgende generationen ist das vereinte deutschland eben einfach normal - es gibt keine neuen und alten bundesländer. es gibt nur noch bundesländer. berlin ist eine wunderschöne stadt geworden und einfach so unbehelligt durch die straßen zu laufen und fotos zu machen, ist ein genuss! freunde in allen städten deutschlands jederzeit einfach besuchen zu können, ist fantastisch. und das ist in jedem fall ein grund zum feiern.

berlin_3

übrigens, dafür dass ich oben noch gesagt habe, ich hätte gar nicht so viel zu dem thema zu schreiben, ist es doch ein ganz schön langer post geworden, gell? ;)

Kommentare:

  1. Die Mauer ist weg - es muss am Wochenende toll in Berlin gewesen sein. Die "Luftballonmauer" habe ich noch gesehen! In Berlin ist das Thema überall präsent und noch so unmittelbar erfahrbar. Ich habe 6 Jahre nach der Wiedervereinigung, für 5 Jahre in Nord-West-Meklenburg gewohnt. Ich fand ich es gut über die "Grenze" zu schreiten, habe mich aber nie richtig daran gewöhnt.
    Ein schöner Post mit tollen Fotos.
    Liebe Grüße und einen schönen Abend für Dich.
    Cora

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  2. Sehr schön beschrieben... mir ist dabei eingefallen, das es ab und zu ein Paket aus "dem Osten" gab, von einer Großcousine meiner Mutter, die dann im Gegenzug Kaffee, Schokolade und Feinstrumpfhosen verschickte. Und ja, wir hatten auch einen Weihnachtsbogen aus dem Erzgebirge. Fiel mir alles beim Lesen wieder ein, war schon ganz verschüttet.
    Es grüßt die Billa

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  3. Ich war damals acht Jahre alt und habe keine wirkliche Erinnerung vom geteilten Deutschland. Als ich Anfing, mich mit dem Thema zu beschäftigen, stand schon alles in Geschichtsbüchern geschrieben. Ich weiß zwar von den neuen und alten Bundesländern aber ich denke nicht in Grenzen. Für mich gibt es nur ein Deutschland. Und heule trotzdem von Freude, wenn ich die Bilder von damals im Fernsehen sehe. : )

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  4. Bis es die Grenzen im Kopf nicht mehr gibt wird es wohl noch lange dauern.
    Bis die Menschen aufhören in Schubladen und in schwarz oder weiß zu denken.
    Danke liebe Stefi für Deine ganz persönlichen Erinnerungen!
    Liebe Grüße
    Suse

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frau s. freut sich über post! :)

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